35 Jahre Apple ][ -- 35 Jahre Geek

 

Heute vor 35 Jahren fand in San Francisco die erste West Coast Computer Faire statt, auf der eine kleine Computerfirma namens Apple Computer den Apple 2 vorstellte, einer der "heiligen drei Könige" des frühen PC-Zeitalters (die beiden anderen waren der Commodore PET und der TRS-80). Harry McCracken hat dazu einen sehr lesenswerten Artikel veröffentlicht.

Es sollte noch Monate dauern, bis ich damals in der analogen Zeit davon hörte. Allerdings war 1977 auch für mich ein prägendes Jahr auf dem Weg zum Geek. Seit kurzem war CB-Funk erlaubt, ein Medium, das dem entspricht, was heute das Web und seine sozialen Netzwerke waren. Als technikaffiner Mensch war mein Vater begeistert und Sohnemann mindestens genauso. Gegen die ersten CB-Handfunkgeräte war der legendäre "Motorola-Knochen" bei den Mobiltelefonen zierlich. ;-) Ausgestattet mit zwei HF-12 begann ich meine Karriere als CB-Funker. Im Sommer 1977 fand dann in Konstanz am Bodensee das erste große Funkfreffen statt und ich durfte mitfahren! Auf dieser Ausstellung stand auch als absolute Neuheit ein Commodore PET-2001 auf einem Stand. Ab dieser Begegnung war ich fasziniert von diesen Kisten, die mir bei ersten schüchternen Tippversuchen am Stand (unter den Argusaugen des Besitzers <g>) nur ein "Syntax Error" entgegenschleuderte.

Die Geeks der 70er waren die Elektronikbastler und Funker, gleich ob CB-Funker oder Fnkamateure (bereits im im Frühjahr 1980 hatte ich sowieso meine Kurzwellen-Funkamateurlizenz in der Tasche, konnte man ab 16 machen und an meinem Geburtstag legte ich die Prufung ab). Hier war die Atmosphäre mit dem vergleichbar, was ich dann Mitte der 80er bei den PCs und Mitte der 90er mit dem Internet erlebte. Aus Preisgründen sollte es bis zum ersten Rechner allerdings noch bis 1982 dauern, immerhin war unser Gymnasium ziemlich fortschrittlich und richtete Ende 1981 glaube ich bereits einen Computerraum mit Commodore PETs ein (ein Apple war bereits damals eine hochpreisige Geschichte und für den Etat des Fachbereichs nicht finanzierbar, hat sich also nicht viel geändert <g>).

Zu Uni-Zeiten blieb ich dem Apple dann treu bis Mitte der 80er, dann begann der Abstieg und die schiere Wucht des zuvor noch von Apple mit ganzseitigen Anzeigen willkommen geheissenen IBM-PCs sich auszuwirken. Heute laufen Linux, Mac OSX und Windows friedlich auf der gleichen Maschine (die wieder von Apple kommt, war ja klar) und ja, natürlich habe ich trotz der Warnung von Dijkstra damals auch BASIC programmiert - und seit 1985 in awk - was ich seit 25 Jahren lerne, das ist wie Schach ;-)

Was mich seit 35 Jahren fasziniert, ist bei diesen Entwicklungen die Kreativität und gegenseitige Unterstützung der "early adopters" und die Aufbruchstimmung. Wird ein Ding dann Mainstream, wie der CB-Funk in den 80ern, zieht die Karawane der Geeks weiter und sucht sich eine neue Spielwiese. Die Faszination des Entdeckens und Lernen bleibt aber. Ganz gleich, ob es das Glück einer Verbindung auf dem CB-Band mit Süditalien Ender der 70er war (Sonnenfleckenmaximum, Südhang, DV27 oben auf dem Dach von Papas Auto), der handgeschriebene Postscript-Code, der auf dem Laserdrucker morgens um 5:30 endlich einen typographisch akzeptablen Briefkopf ausspuckt oder Spielereien mit Webcams oder NoSQL-Datenbanken fürs Web. Letztlich hatten die Autoren des Whole Earth Catalog doch Recht (nicht umsonst hat Steve Jobs das zitiert): "Stay hungry, stay foolish"! Bleibt mir nur noch, passend zur Feier des Tages mit einem 35jährigen Single Malt auf den Apple ][, die Faszination Funk und meine alte Software zur Antennenlängenberechnung anzustossen!

Was ist das Ziel Nummer 1?

Jeder hat seine Ziele. Die Frage ist, welches ist wirklich wichtig? Von all den wichtigen Zielen, die jeder auf seiner Liste hat, welches davon ist Numero Uno, "top of the list", *das* Ziel?
Ric Elias hat dies auf sehr eindringliche Weise heraus gefunden und ich kann ihm nur aus ganzem Herzen zustimmen. Interessanterweise lässt sich diese Erkenntnis wohl immer nur durch einschneidende Erlebnisse erreichen, auch wenn es nicht immer eine Notlandung im Huson River sein muss.

Link zum Talk, falls kein Player erscheint.

Moore's Law - der Jahrestag

Heute ist der 19. April. Vor 46 Jahren hat Gordon Moore einen Artikel im Electronics Magazin veröffentlicht, der bis heute zitiert wird. In der Welt der Computer ist eine solche Wirkungszeit nur wenigen Autoren vergönnt. Dieser Artikel beschreibt das Moor'sche Gesetz, nachdem sich die Anzahl der Transistoren auf einem Chip ca. jedes Jahr verdoppelt . 1975 korrigierte Gordon Moore dieses Zeitfenster auf 24 Monate (und legt bis heute Wert darauf, dass er nie von 18 Monaten gesprochen hatte, obwohl diese Zahl an vielen Stellen durchs Web geistert). Wer den Originalartikel lesen möchte, Intel hat ihn in seinem digitalen Museum ausgestellt. Moore selbst hat in einem Interview 2005 gesagt, dass dieses "Gesetz" sicher nicht bis alle Zukunft gültig sein wird: "It can't continue forever. The nature of exponentials is that you push them out and eventually disaster happens.

Blut spenden

Ich war heute wieder Blut spenden. Meiner Meinung nach eine sinnvolle Sache, wer wäre im Ernstfall nicht froh über eine rettende Blutspende, Plasma oder ein anderes Blutprodukt.  Was mit dabei auffiel: erstaunlich viele junge Leute waren da. Von wegen "die heutige Jugend engagiert sich nicht" - von zehn Leuten waren bestimmt sechs oder sieben unter geschätzten 35. Nach achteinhalb Minuten war es auch schon überstanden. Eine hohe Beteiligung ist wirklich nötig, sagt auch der neue Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie(DGTI). Es kostet nur ein klein wenig Überwindung und zwei oder drei Mal im Jahr insgesamt vielleicht eine Stunde Zeit. Vielleicht rettet Ihre Spende das Leben eines Menschen. Mehr Informationen gibt es beispielsweise beim Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes. Also, "ein kleiner Stich für einen Menschen, eine großer Hilfe für die Menschheit"! 

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Nordlicht im Zeitraffer

Ich bin gerade auf ein faszinierendes Video von Terje Sørgjerd ( http://www.tesophotography.com/ ) gestoßen, der Zeitrafferaufnahmen von Nordlichtern erstellt hat.
Damit hat er es bis auf die Astronomy Picture of the Day Seite der NASA geschafft. Den Player auf HD stellen, Vollbild an, laden lassen und dann in aller Ruhe genießen!

PS: Die Musik ist "Now we are free" aus Gladiator ...

Und gleich noch einer: In the Land Of The Northern Lights von Ole Christian Salomonsen 

Falls sich der geneigte Leser jetzt fragt, diese Perlen kommen von diesem Blog: http://feingut.com -- sehr empfehlenswert!

Wörter durchstöbern

Man kann von Google halten, was man will, aber es gibt wenig andere Möglichkeiten, so einfach an große Datenmengen zu kommen, um die zu durchforsten oder sich in Voraussagen zu versuchen, z.B. in Google Trends. Ich habe über einen Blog-Eintrag von Scott Berkun den neuen Ngram Viewer von Google gefunden, mit dem man den Bestand von Google Books durchsuchen kann. Passend zur Weihnachtszeit und dem "Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen", hier das Ergebnis einer Beispielsuche in den englischen Büchern von 1905 bis 2005 nach Krieg und Frieden.

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Interessanter Datenbestand. Manche Queries werfen allerdings mehr Fragen auf, als sie beantworten, z.B. diese hier: bmw, daimler, audi, volkswagen (1950-2005). Sehr interessant, was mag dafür der Grund sein?

Über den Berg - liegt "peak oil" hinter uns?

Am 9. November veröffentlichte die International Energy Agency den diesjährigen World Energy Outlook 2010, einen Bericht über die Entwicklung des Energiebedarfs der Welt bis ins Jahr 2035. Die iea ist eine multinationale Organisation, die für ihre 28 Mitgliedsländer beratend tätig ist. Bisher nicht gerade als Organisation von Öl-Pessimisten verschrieen, spricht der diesjährige Bericht bzw. eine Hauptaussagen eine deutliche Sprache, was die Zukunft von Öl als Energieträger angeht. Das als "peak oil" bezeichnete weltweite Ölfördermaximum haben wir wohl schon hinter uns und zukünftig wird die Ölförderung wohl nie mehr über das Maximum von ca. 70 Mio. Barrel pro Tag von 2006 hinaus gehen. Nur zur Verdeutlichung: die Menge bezeichnet die Förderquote pro Tag(!). Das entspricht grob 10 Milliarden Litern oder einer Kugel mit einem Durchmesser von ca. 270 Metern, die jeden Tag weltweit gefördert wird. Mehr geht nicht und mehr und mehr müssen als "unkonventionelles Erdöl" bezeichnete Quellen hinzugerechnet werden, um die Kurve nicht so dramatisch aussehen zu lassen. Dazu zählen Ölsande, Ölschiefer oder die Verflüssigung von Kohle oder Erdgas. 
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Quelle: WEO2010, (c) International Energy Agency / OECD

Rechnet man nun die "noch zu entwickelnden Felder" und die "noch zu findenden Felder" weg, dann sollte klar werden, was das für Auswirkungen auf die Energiepreise der nächsten Jahre haben dürfte. Wer jetzt noch in einem Haus lebt, das mit Öl befeuert wird, sollte in den nächsten Jahren etwas unternehmen. Oder sich einfach mal vorstellen, was die monatlichen Heizkosten wären, wenn der Liter Heizöl nicht ca. 70 Cent, sondern ca. 7 Euro kostet.  Wer nun denkt, "so schlimm wird es ja nicht kommen", dem sei als Bettlektüre die Version von 1993 empfohlen. Hier geht das "worst case scenario" von einem maximalen Preis von unter 40 US-Dollar für das Barrel Rohöl im Jahr 2010 aus. Ende Oktober lag der tatsächliche Preis bei knapp über 86 US-Dollar! 

Wir können es uns schlichtweg nicht mehr leisten, die noch vorhandenen Ölvorräte im Heizkeller zu verbrennen, denn von der Kunststoffchemie bis zur Produktion von Konsumgütern wie Computern und Kosmetika hängt eine Menge an der Verfügbarkeit von Erdöl. Es stellt sich an dieser Stelle auch die Frage, ob es in Zeiten von Remote Desktops, Instant Messaging und Mobiltelefon überall noch sinnvoll ist, für eine Schreibtischtätigkeit 50 Kilometer mit dem Auto zur Arbeit zu pendeln. Dann lieber ein persönliches Treffen mit den Kollegen pro Woche und ansonsten virtuelle Büros zu nutzen, die ganz und gar nicht virtuelles Öl einsparen. Spart Öl durch Telearbeit, ein Konzept, dass schon vor Jahren propagiert wurde, demnächst aber wohl auch Einzug in den Mainstream halten dürfte. Daher sollte sich Organisationen bereits jetzt auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen und entsprechende Konzepte für die Arbeitsorganisation und auch die internen Prozesse entwickeln, um Kompetenzen und Ideen und nicht Körpermasse zu bündeln.

Wieviele Kinder leben von Hartz IV?

Auf dem scoopcamp 2010 gab es interessante Vorträge für Journalisten in der Online-Welt. Unter anderem stellte die dpa eine Visualisierung von regionalen Daten zum Thema "Kindheit mit Hartz IV" vor. Damit werden aus den nackten Zahlenkolonnen interaktive Grafiken mit deutlich schnellerem Informationsgewinn. Interessanter Ansatz, was ich mir allerdings wünschen würde, wäre der Verzicht auf Flash als Plattform. HTML5 bietet für solche interaktiven Grafiken mittlerweile alles, was benötigt wird, wie beispielsweise Protovis zeigt.

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Bayerische Urgesteine im Interview

Gerade angesehen und wieder einmal festgestellt, dass es Momente gibt, welche die Rundfunkgebühren sinnvoll erscheinen lassen: ein Interview mit Strauß und Stoiber.
Nun gut, nicht die Originale, aber besser: Wolfgang Krebs und Helmut Schleich, die den beiden Urgesteinen der bayerischen Politik am Nockherberg zu neuem öffentlichen Glanz verhelfen.
In der Reihe "Nachtlinie" des BR gab es ein geniales fiktives Interview. Aus dem Text aus der Website der BR Nachtlinie:

Die Alleinherrschaft der CSU ist gebrochen, das "blonde Fallbeil" stumpf geworden. Was würde wohl Altvater Franz Josef Strauß darüber denken? Welches Donnerwetter würde über seinem Zögling Edmund Stoiber niedergehen? In der "Nachtlinie" treffen die beiden Veteranen der bayerischen Politik noch einmal aufeinander. Eine Begegnung der besonderen Art!

Für alle, die es verpasst haben: hier in der Mediathek des BR ansehen (Sendung vom 23.09. 22:30) - sehr sehenswert. Es ist für unsere heutigen Politiker eigentlich keine Auszeichnung, wenn man den "letzten König von Bayern" aus seinem himmlischen Exil holen muss, weil einem auf Erden die Charakterköpfe im politischen Kabarett ausgehen ...